Bahn: 9 Köpfe statt einer Krone
- Sven Stegemann

- 20. Aug.
- 2 Min. Lesezeit

Die Deutsche Bahn sucht einen neuen CEO.
Angeblich findet sich niemand, weil „nur“ zwei Millionen Gehalt geboten werden.
Da kam uns eine utopische Idee:
Was wäre, wenn man statt einer einzelnen Person einfach ein hochkompetentes Team von neun Leuten berufen würde? Gewählt aus der Belegschaft.
Neun Menschen, die intrinsisch motiviert sind, die gut 200.000 Euro im Jahr als sehr gutes Gehalt empfinden, die nicht auf den nächsten Bonus schielen, sondern langfristig denken.
Ein soziokratisches Führungsgremium statt eines einzelnen „starken Mannes“ oder einer „Superfrau“.
Mehr Transaktionskosten, ja – aber auch mehr Perspektiven, mehr Denken, mehr Korrektive.
Inspiriert von Bürgerräten: Kollektive Intelligenz kann zu besseren Ergebnissen führen. Immer? Nein. Aber Management-Entscheidungen sind auch kein Garant für Vernunft. Siehe Weichenabbau unter Mehdorn oder man frage sich, ob der geplante Verkauf von Schenker eine überzeugende langfristige Logik besitzt.
Natürlich tauchen sofort Gegenfragen auf:
👉 Wer hält am Ende den Kopf hin? (Wobei: Für was haben Bahn-CEOs in der Vergangenheit jemals juristisch oder finanziell den Kopf hingehalten? Exakt.)
👉 Ist ein Gremium in der Lage, in einer Krise schnell zu handeln – oder blockieren sich neun Leute am Ende gegenseitig?
👉 Wie soll das nach außen funktionieren – Politik, Medien, Gewerkschaften wollen doch ein Gesicht, keine Runde?
👉 Entsteht nicht noch mehr Abstimmungsbürokratie in einem Unternehmen, das ohnehin schon unter Komplexität leidet?
👉 Und am wichtigsten: Sind die Probleme der Bahn überhaupt mit einem neuen Führungsmodell lösbar – oder liegt die Wurzel nicht viel tiefer, etwa in Unterfinanzierung und politischer Steuerung?
Dennoch:
👉 Fehler werden in einem Gremium weniger wahrscheinlich.
👉 Verantwortung wird geteilt, gehaftet hat sowieso immer der Bund.
👉 Korruption und Bonuslogik hätten es schwerer.
👉 Und die Bahn würde zu einem Symbol für ein anderes Managementverständnis.
Utopisch? Total.
Aber vielleicht wollen wir mal anfangen, darüber nachzudenken.
Warum glauben wir eigentlich so fest an das Modell des genialen Einzel-CEOs?
Und was könnten wir gewinnen, wenn wir auch in Großorganisationen stärker auf kollektive Führung setzen?



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